Monatsthema April 2016 01.04.2016 – 30.04.2016

SPECIALLY FOR GIRLS

Bei der Frauenärztin, Urinprobe & Blutentnahme, Gespräch, Untersuch, Krebsabstrich, Gebärmutter und Eierstöcke, Vorsorge von Brustkrebs, Anatomie, Impfungen, wenn’s juckt und brennt.

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Dr. med. Barbara Hana Mozerov

von allcare, Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe FMH, Sexualtherapeutin und Paarcoach beantwortet deine Fragen zum Monatsthema „Free love save ride“.

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  1. XY

    vor 3 Jahren

    Hallo darf ich die Pille beim Frauenarzt holen ohne das meine Eltern etwas davon wissen? Meine Elter dürfen auf keinen Fall wissen, dass ich Sex haben möchte oder die Pille nehme.

    1. Fachperson

      Dr. med. Barbara Hana Mozerov

      vor 3 Jahren

      Liebe XY

      Deine Frage zur Pillenverschreibung ist eine sehr wichtige Frage für alle jungen Frauen. In der Schweiz ist das gesetzlich so geregelt: Die Frauenärztin darf einer Minderjährigen auch ohne Wissen/Erlaubnis der Eltern die Pille verschreiben, wenn Sie den Eindruck hat, dass die junge Frau „urteilsfähig“ ist. Laut Gesetz gilt ein Mensch als urteilsfähig, dem „nicht wegen seines Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunkenheit oder ähnlichen Zuständen die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln“ So steht das im Artikel 16, Zivilgesetzbuch. Urteilsfähige Jugendliche haben das Recht über eine medizinische Behandlung selbst zu entscheiden und ihre Einwilligung dazu unabhängig von der Einwilligung der Eltern zu geben.

      Was bedeutet das konkret: Eine junge Frau handelt im Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft ja schon mal „vernunftgemäss“, wenn Sie einen Termin bei der Frauenärztin vereinbart, weil Sie die Pille möchte um eine Schwangerschaft zu verhindern. In einem Beratungsgespräch wird die Ärztin die junge Frau über die Anwendung, die Wirkung und auch mögliche unerwünschte Wirkungen sowie Komplikationen der Pille und auch über alternative Verhütungsmethoden aufklären. Wenn die Ärztin im Gespräch den Eindruck hat, dass die junge Frau die Informationen verstanden hat, steht einer Pillenverschreibung auch ohne Einverständnis/Wissen der Eltern nichts im Weg. Wichtig ist, das die junge Frau weiter „vernunftgemäss“ handelt, d.h dass sie die Pille zuverlässig regelmässig einnimmt, da sonst der Verhütungsschutz nicht gegeben ist und dass Sie Komplikationen, die allerdings nur selten unter Pilleneinnahme auftreten, richtig einschätzen kann und sich sofort an einen Arzt wendet.

      Die Ärztin wird in der Verlaufskontrolle, die meist nach den ersten 3 Einnahmemonaten stattfindet, noch mal nachfragen, ob das mit der regelmässigen Pilleneinnahme geklappt hat, und wenn das der Fall ist, ein Jahresrezept für die Pille ausstellen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Pille nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Die Rechnung für den Termin bei der Frauenärztin wird an die Eltern geschickt. Wenn eine junge Frau nicht möchte, dass die Eltern erfahren, dass sie bei der Frauenärztin war, muss sie die Rechnung entweder bar zahlen oder die Rechnung an eine andere Adresse schicken lassen und sie dann selbst bezahlen. Es steht übrigens nicht auf der Rechnung, dass es beim Beratungsgespräch um eine Pillenverschreibung ging. Wenn aber die Pille direkt in der Arztpraxis an die junge Frau abgegeben wird, steht die Pille selber aber auf der Rechnung, ausser man bezahlt sie bar.
      Also hier die abschliessende message an Dich und alle jungen Frauen mit Verhütungswunsch: Für alle „urteilsfähigen“ jungen Frauen gibts die Pille auch ohne Erlaubnis/Wissen der Eltern –sofern medizinisch nichts dagegen spricht. Details zur Wahl der für Dich „besten Pille“ besprich am besten mit Deiner Frauenärztin.

      LG,
      Barbara Hana Mozerov

  2. Silv

    vor 3 Jahren

    Was kostet ein Frauenarztbesuch und was muss ich alles untersuchen lassen was Sinn macht mit 16 Jahren. Ich war noch nie beim Frauenarzt und hatte auch noch nie Sex.

    1. Fachperson

      Dr. med. Barbara Hana Mozerov

      vor 3 Jahren

      Liebe Silv

      Bei Deinem ersten Besuch bei der Frauenärztin kannst Du Dich erst mal mit dem Thema Frauenarztbesuch vertraut machen. Vielleicht hast Du ja spezielle Fragen an die Ärztin, die Du dann stellen kannst. Viele junge Frauen haben Fragen zu Ihrem Zyklus, zur Verhütung oder zu sexuell übertragbaren Krankheiten. Andere haben Hautprobleme oder starke Periodenschmerzen. Je nach Fragestellung sind dann ev. auch spezielle Untersuchungen erforderlich wie zB ein Ultraschall.

      Ich möchte Dir gern ein paar Informationen darüber geben, was bei einer sogenannten Jahreskontrolle bei der Frauenärztin untersucht wird. Die Jahreskontrolle ist eine Vorsorgeuntersuchung, die jede Frau einmal pro Jahr machen sollte. Dabei werden Urin, Blutdruck, Puls, Grösse und Gewicht untersucht und 2 Vorsorgeuntersuchungen für die Früherkennung von Brust- und Gebärmutterhalskrebs bzw dessen Vorstufen durchgeführt.

      Bei der Brustuntersuchung tastet die Ärztin die Brust ab. Wenn sie dabei einen Tastbefund entdeckt, werden weitere Abklärungen gemacht. Bei der jungen Frau ist das meist ein Brustultraschall, später oft auch eine Mammographie (eine Art Röntgenbild der Brust). Tastbefunde bei der jungen Frau sind meist gutartig, d.h. nicht gefährlich. Der Brustkrebs ist zwar der häufigste Krebs der Frau, betrifft aber vor allem Frauen nach der Menopause und nur sehr selten junge Frauen. Die Brustuntersuchung ist aber auch schon bei der jungen Frau sinnvoll. Die Frauenärztin kann Dir zeigen wie Du Deine Brust auch selbst untersuchen kannst.

      Die Vorsorgeuntersuchung für den Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen ist der sogenannte PAP-Abstrich. Dabei werden über die Scheide mit einem kleinen Bürstli Zellen vom Gebärmutterausgang entnommen und auf Zellveränderungen hin untersucht, die durch human papilloma Viren (HPV) verursacht werden. Wenn eine junge Frau noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, ist der PAP-Abstrich nicht sinnvoll, da der HPV beim Sex übertragen wird. Die Frauenärztin kann Dir aber trotzdem schon mal erklären, wie genau so eine „Vaginaluntersuchung zur PAP-Entnahme“ durchgeführt wird.

      Es gibt seit einigen Jahren die HPV-Impfung, die zwar nicht gegen alle HPV-Typen wirksam ist, aber trotzdem ca 60-80% aller durch HPV verursachten Veränderungen (dazu gehören neben den „auffälligen PAP-Abstrichen“ unter anderem auch genitale Feigwarzen) verhindern kann. Aufgrund des Restrisikos wird der PAP-Abstrich auch bei allen sexuell aktiven, HPV-geimpften Frauen regelmässig durchgeführt. Die Frauenärztin kann Dir auch Fragen zum HPV und zur HPV-Impfung beantworten.

      Deine Frage zu den Kosten eines Frauenarztbesuches kann ich Dir nicht definitiv beantworten, da die Kosten davon abhängig sind, welche Untersuchungen genau im Einzelfall durchgeführt werden und wie lange das Beratungsgespräch dauert. Du musst aber sicher mit ca 200-350 CHF rechnen.

      Der erste Frauenarztbesuch ist für die meisten jungen Frauen eine aufregende, aber tatsächlich gar nicht so „grosse Sache“. Du gehörst damit dann so zu sagen auch zum „Frauen-Club“.

      LG,
      Barbara Hana Mozerov

  3. Nadira

    vor 3 Jahren

    Liebe corinne. Vielen dank für deine antwort und verständnis. Leider existiert die swiss youth+ group für hiv-positive junge menschen schon seit ende 2014 nicht mehr und mails werden nicht beantwortet. Die hiv-aidsseelsorge und die aids-hilfe wissen auch nicht, wohin sich wenden als hiv-positiv und jung. Ich lebe seit meiner geburt mit hiv, ich habe noch nie einen ort gefunden, wo ich unterstützung bekomme. Meine mutter auch nicht.

    1. Moderatorin

      Corinne Rietmann

      vor 3 Jahren

      Liebe Nadira ich treffe mich noch immer mit den Jugendlichen, wir haben auch eine jährliche Generalversammlung. Ich weiss nicht wer die Mails benatworten sollte aber ich weiss das es die Gruppe immer noch gibt. Es sind viele Jugendliche mit dabei, die seid ihrer Geburt mit der Krankheit leben. Die Jugendlichen, die mit dabei sind sind wirklich toll und sie haben eine super Freundschaft zueinander aufgebaut. Sie treffen sich nicht mehr so regelmässig wie früher, aber wenn etwas besonderes ist, kommen fast alle. Ich würde dich so gerne mal mit einer der jungen Frauen bekannt machen, damit du dich mal über solche Fragen mit dem Umgang mit Jungs u.s.w. austauschen könntest. Ich möchte aber deine Anonymität bewahren. Du kannst entscheiden ob du das möchtest und wie? Entweder kannst du per Mail oder Telefon mit dieser jungen Frau kommunizieren oder ich kann dich mal an ein Treffen mit ihr alleine oder mit der Gruppe mitnehmen. Du kannst mich wie gesagt unter info@gummilove.com erreichen, diese Mails erhalte nur ich. Durch die Treffen in der Gruppe habe ich mitbekommen wie wichtig es ist sich mit anderen aus zu tauschen, die mit der Krankheit HIV leben.